Die Küche als Spiegelbild der Technik: die Entwicklungsgeschichte der modernen Küche

Typische Kücheneinrichtung der 1920er Jahre. (Foto: AMK)
Typische Kücheneinrichtung der 1920er Jahre. (Foto: AMK)

Die moderne Küche ist die Seele der Wohnung. Sie ist Kommunikationszentrale und sie ist ja auch zum Kochen da. Kochen ist ein Megatrend. Doch das war nicht immer so. Frank Hüther, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche e.V. (AMK) aus Mannheim, wirft einen Blick auf die Entwicklungsgeschichte der modernen Küche. „Die Küche ist stets Spiegelbild der Technik. Ein Blick in die Vergangenheit öffnet uns den Blick in die Zukunft“, weiß Hüther und fügt hinzu: „Die spannende Geschichte der Küche, die Erfindung der ersten Einbauküche in Deutschland, zeigt uns auch die Möglichkeiten für die Zukunft“.

Kochen und damit Küchen wurden in der hinter uns liegenden Menschheitsgeschichte aufgrund des notwendigen offenen Feuers als sehr gefährlich eingestuft. Kochstellen waren daher lange Zeit außerhalb der Wohnungen untergebracht.

Erst seit dem Mittelalter wurde die Küche in die Wohnung integriert. Einige Burgen hatten schon damals Kaminrohre zum Rauchabzug in ihren dicken Wänden. Erst mit dem vollummauerten Kochherd mit durchlöcherter Eisenplatte, dem sogenannten Castrol-Herd von 1735, wurden das Leben in der Küche und damit das Kochen sicherer. Für diese Herdform benötigte man noch offenes Feuer. Die Brennmaterialien waren in der Regel Holz und später Kohle. Der Gasherd wurde erst um 1830 in England erfunden.

Auf der Weltausstellung 1893 in Chicago wurde ein erster Elektroherd vorgestellt. Nun brach eine völlig neue Ära für die Küchenraumgestaltung an. Aber im gehobenen Bürgertum wurde das Kochen noch lange Zeit dem Dienstpersonal überlassen und die Küche war weit vom Wohnraum entfernt. Qualm und Ruß wollte man sich nicht aussetzen und auch nicht den oft intensiven Gerüchen des Pökelns und Räucherns von Lebensmitteln. Die Firma Weck erfand um 1900 das Konservieren von Lebensmitteln durch Einkochen in den gleichnamigen Gläsern. Aber erst um 1960 gehört der Kühlschrank zur Standardausrüstung und veränderte erneut die Ausstattung, den Anspruch und die Planung von Küchen.

Im Zeitgeist des sachlichen Bauhauses wurde 1926 in Frankfurt am Main die „Frankfurter Küche“ vorgestellt. Sie war eine Erfindung der Architektin Margarete Schütte-Lihotzky und gilt als Prototyp der Einbauküche. Auf kleinstem Raum wurden eingebaute Schränke, installierte Geräte und natürlich ein Spülstein untergebracht. All das unter extrem funktionalen Gesichtspunkten.

Bis heute dient die erste Einbauküche der Welt daher als Modell für alle rationalen Anbauküchen, wie sie bald von vielen Herstellern übernommen wurden. Sie war eine reine Arbeitsküche mit verbesserten Funktionen zu Lagerhaltung, Kühlung und zum Kochen. Küchen wurden aber immer noch nicht als Wohnraum gesehen, sondern als laborartige Arbeitsstätten. Kochen wurde zentrale Aufgabe der nicht berufstätigen Hausfrau, der man bei der Arbeit nicht zusehen wollte. Die Räume der damaligen Küche waren sehr klein.

Die Wiederentdeckung der Verbindung von Kochen und Essen erfolgte erst in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. In den Grundrissen der Wohnungen wurden daraufhin langsam die Küchen wieder etwas größer. Immer mehr Frauen wurden berufstätig und wollten daher in den verbleibenden Reststunden nicht unbemerkt und allein in der Küche arbeiten.

In den 1970er Jahren gab es in vielen Küchen Essecken, in denen zumindest die Familien zum Frühstück oder Mittagessen zusammen aßen. Das Esszimmer wurde meist sonntags, abends oder zusammen mit Gästen genutzt. In dieser Zeit zeichneten sich auch die ersten ernsthaften Designtrends bei Küchen ab. Die Küche war in der Regel eine sehr funktionale Einbauküche in den damals trendigen Farben und Ausführungen.

Seit den frühen 1990er Jahren befindet sich die Küchenplanung auf dem Weg zur modernen Wohnküche. Essen und Kochen sind wieder integriert. Multifunktionalität, Convenience und Professionalität sind heute Eintrittskarten für den Markt. Frauen und Männer teilen sich zunehmend die Hausarbeit. Das Interesse an Kochen wächst. Die Medien greifen diesen Trend ja schon seit Jahren mit etlichen Kochsendungen auf und haben damit viel zur Professionalisierung im Küchenbereich beigetragen. Internationalisierung und Globalisierung führen nun noch zu einem erhöhten Interesse an exotischen Genüssen.

Einen Ausblick auf die vielfältigen Angebote der Küchen von heute und morgen erlaubt die parallel zur großen internationalen Möbelmesse imm cologne stattfindende LivingKitchen. Die LivingKitchen findet vom 18. bis 23. Januar 2011 in Köln statt. Für das Publikum ist sie von Freitag, 21.01. bis Sonntag, 23.01.2011 ganztägig geöffnet. Am AMK-Stand steht der Geschäftsführer Frank Hüther persönlich für Fragen zur Verfügung

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