9 Milliarden Euro Umsatz: Die deutsche Küchenindustrie wächst in 2010 um 4,7%

AMK

[Beitrag von AMK-Vorstandssprecher Roland Hagenbucher zur AMK-Pressekonferenz am 2. Mai 2011 in Köln]

Im vergangenen Jahr wurden erstmals Eckdaten der deutschen Küchenindustrie erhoben. Damit konnte die deutsche Küchenindustrie ihre Rolle als bedeutender Wirtschaftszweig erstmals anhand von Zahlen untermauern. Auf dieser Basis können wir heute über die Veränderungen zum Vorjahr berichten. Hat die Branche die Finanz- und Wirtschaftskrise überstanden?

Unter der Koordination und Moderation der AMK wurden zum zweiten Mal die Inlands- und Exportumsätze sowie Mitarbeiterzahlen der Hersteller von Küchenmöbeln, Einbaugeräten, Spülen und Zubehör erhoben. Die Erhebung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Verband der Deutschen Küchenmöbelindustrie, VdDK, und den Hausgeräte-Fachverbänden im Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie, ZVEI, von Januar bis April 2011. Als Projektpartner eingebunden war auch in diesem Jahr die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

Nun zu den Ergebnissen:

Die deutsche Küchenindustrie, bestehend aus den Herstellern von Küchenmöbeln, Elektro-/Einbaugeräten, Spülen und Zubehör, setzte im Jahr 2010 rund 9,1 Milliarden Euro um.

Hierbei entfielen 5,46 Milliarden Euro auf den Inlandsumsatz, 3,63 Milliarden Euro entfielen auf Exporte. Der Exportanteil am Gesamtumsatz betrug damit knapp 40%.

Unverändert sind 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der deutschen Küchenindustrie beschäftigt.

Im Vergleich zum Jahr 2009 hat sich der Umsatz der herstellenden Unternehmen in der Küchenbranche damit um 4,7% erhöht. Der Gesamtumsatz belief sich im Vergleichsjahr 2009 auf knapp 8,68 Milliarden Euro, von denen rund 5,19 Milliarden Euro auf das Inland und 3,49 Milliarden Euro auf das Exportgeschäft entfallen waren. Geringfügige Abweichungen zu den im Vorjahr für das Jahr 2009 kommunizierten Daten ergeben sich daraus, dass im letzten Jahr zum Teil vorläufige Zahlen von den Unternehmen gemeldet worden waren.

Der auf Exporte entfallende Teil der Umsätze der Küchenin-dustrie erhöhte sich im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahr um 4%. Das Inland konnte sogar um 5,2% zulegen. Mit dem Wachstum im Umsatz ist allerdings eine spürbare Erhöhung der Rohstoff- und Materialkosten einhergegangen. Eine Ertragssteigerung ist deshalb bei vielen Unternehmen der Küchenindustrie ausgeblieben.

Während sich der deutsche Markt schon im Krisenjahr 2009 weitestgehend stabil gezeigt hatte, waren die wichtigsten Auslandsmärkte durch die Finanz- und Wirtschaftskrise geschwächt. So war die langjährige Spitzengruppe Spanien, Großbritannien und Niederlande seinerzeit regelrecht eingebrochen, in Summe hatten sich die Exportumsätze von 2008 auf 2009 um fast 12% reduziert. Auch im Jahr 2010 hat sich die Situation in diesen Ländern nicht wirklich verbessert, in Spanien und Großbritannien sogar weiter verschlechtert.

Erfreulich entwickelte sich dagegen der Küchenabsatz bei unseren Nachbarn in Österreich, insbesondere aber auch in der Schweiz. Große Erwartungen hat die Branche weiterhin in die Türkei und Russland als Absatzmärkte von wachsender Bedeutung, vor allem jedoch in die fernen Wachstumsmärkte China und Indien. Gerade in China sind Produkte „Made in Germany“ und Küchen nach deutschem Vorbild begehrt wie nie zuvor, der Markt wächst deutlich zweistellig.

Angesichts einer verhaltenen Bautätigkeit und der demografischen Entwicklung in Deutschland liegt das Wachstumspotential der deutschen Küchenindustrie in den internationalen Märkten. An das Vorkrisenniveau konnte 2010 noch nicht aufgeschlossen werden: Trotz des Wachstums um 4% lagen die Exportumsätze 2010 noch um 10% unter denen des Jahres 2008. Und welche Auswirkungen die Katastrophe in Japan, die Umbrüche in Nordafrika und die anhaltende Schwäche einzelner europäischer Volkswirtschaften noch haben werden, lässt sich heute nicht seriös beantworten.

Im Inland fokussiert die Küchenindustrie den Ersatzbedarf. Ein Blick auf Deutschlands Küchen fördert dabei Erstaunliches zu Tage: 10 Millionen Küchen sind heute älter als 15 Jahre. Bei einem Bestand von rund 40 Millionen Haushalten ist damit bereits jede vierte Küche ein echter Oldtimer und zwar ein ergonomischer, hygienischer, technischer, ökologi-scher, funktionaler, optischer und komfortmäßiger „Oldtimer“ – leider jedoch kein wertsteigernder, wie es bei attraktiven alten Automobilen der Fall ist.

An diesen 10 Millionen Küchen und auch an allen anderen, die „nur“ 10 Jahre alt sind, gingen viele Jahre Fortschritt und Entwicklung, Ergonomie, Sicherheitsstandards, Umweltbe-wusstsein und Produkt-Design spurlos vorüber. Und die Frage muss erlaubt sein: Wer von uns möchte mit einem nur 10 Jahre alten Auto heute durch die Gegend fahren, geschweige denn mit einem 15 Jahre alten? Damit würden wir uns weder wohl, noch sicher fühlen. Und wir könnten es kaum mit unserem ökologischen Gewissen vereinbaren. Aber: Darf das bei Küchen und insbesondere bei Hausgeräten wirklich anders sein?

Rund 40% des Haushalts-Stromverbrauchs in Europa entfal-len auf Hausgeräte, ein Großteil hiervon auf den Bereich Kühlen und Gefrieren. Diese Geräte sind oft rund um die Uhr im Einsatz, an 365 Tagen im Jahr. Während der Anteil der Informations- und Kommunikationstechnologie am Stromverbrauch in den letzten Jahren gestiegen ist, schneiden die Hausgeräte immer besser ab: Noch 1990 entfielen ca. 63% des privaten Stromverbrauchs auf Hausgeräte, heute sind es nur noch 37%. Aber immer noch ist das Einsparpotential enorm, denn A+++ Kühlgeräte verbrauchen 60% weniger Strom als vergleichbare Geräte der Energieklasse A.

Die Einsparungen pro Haushalt durch einen Altgeräteaus-tausch betragen über alle Gerätegruppen hinweg rund 1.117 kWh pro Jahr. Das macht sich dann – bei einem Strompreis von 24 Cent pro KWh – mit immerhin 268 Euro pro Jahr in der Haushaltskasse bemerkbar.

30% der 440 Millionen Hausgeräte in Europa sind 10 Jahre oder älter. Würde man diese Geräte gegen moderne Geräte austauschen, wäre der Effekt gigantisch: 44 Mrd. kWh Strom, 22 Mio. Tonnen CO2 und rund 8,8 Mrd. Euro ließen sich einsparen. Und das Jahr für Jahr! Dies entspricht nahezu dem jährlichen Strom-verbrauch von Portugal.

Die immer weiter steigende Akzeptanz energieeffizienter Einbaugeräte ist auch deshalb ein gutes Zeichen. Die Veränderung in der Wertorientierung der Verbraucher, der Trend zu bewusstem Konsum, zu „Qualität statt Quantität“ und zu mehr Nachhaltigkeit sprechen für sich. In den offenen Koch-, Ess- und Wohnlandschaften, die sich immer stärker durchsetzen, kommt der Küche eine neue, wohnliche und repräsentative Funktion zu. Ihr Stellenwert steigt; die Küche schickt sich sogar an, das Auto als Statussymbol abzulösen.

Die Unternehmen der deutschen Küchenindustrie sind in Forschung und Entwicklung, Produktion, Logistik und Service unerreicht. Unsere Produkte überzeugen in Design, Qualität, Energieeffizienz und Zuverlässigkeit. Vom Küchenmöbel, über das Einbaugerät, bis zu Spüle, Armatur und Zubehör: „Made in Germany“ ist für deutsche Küchen ein Qualitätsversprechen, das wir tagtäglich einlösen.

Trotz zahlreicher Unwägbarkeiten haben wir also viele Gründe, optimistisch in die Zukunft zu blicken.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.