Die Geschichte des Kühlschranks

Freistehende und kleine Kühlschränke waren in der Küche jahrzehntelang üblich (Foto: AMK)
Freistehende und kleine Kühlschränke waren in der Küche jahrzehntelang üblich (Foto: AMK)

Er kühlt, lagert und hält frisch: Der Kühlschrank gehört mittlerweile zur Standardausstattung einer jeden Küche. Doch was heute ganz normal ist, war früher Luxus. Seine Erfindung führte zu einer echten Revolution, die viele traditionelle Abläufe verwarf: „Letztendlich veränderte der Kühlschrank sowohl die Essgewohnheiten der gesamten Menschheit wie kein anderes Küchengerät, als auch unser heutiges Lebensmittelangebot“, erläutert Kirk Mangels, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche e.V. (AMK), Mannheim.

Kühlschränke wie wir sie heute kennen, gibt es erst seit knapp 100 Jahren. Früher wurde auf andere Praktiken zurückgegriffen: Während „Jäger“ und „Sammler“ ihre Nahrung direkt aßen, holten sich die Alpenanrainer in der Antike Eisblöcke von den Bergen, um ihre Speisen vor dem Verderben zu schützen. Wer nicht in Gletschernähe wohnte, der behalf sich mit Konservierungsmethoden wie Pökeln, Einkochen, Trocknen und Räuchern. Als kühle Aufbewahrungsorte dienten Nischen in dickem Mauerwerk, Erdlöcher im Garten oder wasserdichte Gefäße in Teichen und Gewässern. Noch bis in die 1950er Jahre übernahm der Keller die Funktion eines Kühlschranks. Hier wurden vor allem Käse, Butter, Milch und Fleisch gelagert. Auch eine an die Küche angedockte kühle Speisekammer wurde als Lagerraum genutzt, ehe der Kühlschrank die Langlebigkeit der Lebensmittel und die Konsummuster der Hausfrauen grundlegend veränderte.

Ein gescheitertes Experiment aus den späten 1950er Jahren: Der hocheingebaute Kühlschrank mit Eisfach. (Foto: AMK)
Ein gescheitertes Experiment aus den späten 1950er Jahren: Der hocheingebaute Kühlschrank mit Eisfach. (Foto: AMK)

1876 entwickelte Carl von Linde mit einer technisch-chemischen Kältemaschine einen Vorläufer des Kühlschranks. In den USA wurden Kühlschränke in den 1920er Jahren schnell zum Verkaufsschlager, während sie in Deutschland erst ab den 1950er Jahren Einzug in die Küchen erhielten. Das innovative Küchengerät ermöglichte eine sparsame Haushaltsführung und gewann daher auch hierzulande schnell an Beliebtheit. Tägliches Einkaufen, aufwendiges Vorkochen und verdorbene Speisen gehören seitdem der Vergangenheit an.

Angesagtes Design bei den Kühlschränken der Nachkriegszeit war eine „stromlinienförmige“ Gestaltung: Ein dickwändiges, gewölbtes Aussehen, runde Ecken und ein Griff aus Chrom dominierten die optische Erscheinung. Erst als der Kühlschrank in den 1970er Jahren zur Standardausstattung wurde, wurde er „eingebaut“ und verschwand optisch. Eine weitere Neuerung kam in den 1970er und 80er Jahren mit praktischen Kühl-Gefrier-Kombis auf.

Moderne Kühlschränke zeichnen sich durch unterschiedliche Kältezonen, intelligente Beschlagstechnik und Energieeffizienz aus. (Foto: AMK)
Moderne Kühlschränke zeichnen sich durch unterschiedliche Kältezonen, intelligente Beschlagstechnik und Energieeffizienz aus. (Foto: AMK)

Bei heutigen, modernen Kühlschränken spielt das Thema Energieeffizienz eine große Rolle. Mit einer energiesparenden Motorisierung gehen ebenfalls eine bessere Isolierung und eine funktionale Zoneneinteilung einher. Kalte und luftfeuchtegeregelte Gemüseschubladen sorgen als kleines professionelles Kühlhaus zum Beispiel dafür, dass Obst und Gemüse optimal gelagert werden. Manche Schubladen sind mittlerweile mit LED-Licht ausgestattet, um Obst und Gemüse auch bei geschlossener Tür zu beleuchten und einem Vitaminabbau vorzubeugen. Neueste Modelle können durch einen digitalen Scan des Innenraums die eingelagerten Produkte erkennen. Die auf das Smartphone übermittelte Bestandsliste könnte dann in Zukunft direkt an einen Lebensmittellieferanten geschickt werden. Der Kühlschrank hat also auch heute noch das Zeug, das Einkaufsverhalten der Menschheit zu verändern.

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