Menu à le Robot – Utopie oder nahe Zukunft?

Barista Sawyer Foto: H.I.S

Noch sind sie seltene Exoten. Doch die Zukunftsforscher halten es für eine ausgemachte Tatsache, dass sie irgendwann auch in unseren privaten Küchen heimisch werden: Roboter.

In der Gastronomie sind sie noch am ehesten anzutreffen. Vor allem im asiatischen Raum, wo sich technische Innovationen, mitunter aufgrund des demografischen Wandels, viel schneller durchsetzen als etwa in Europa. Die Rede ist von Robotern. Sei es als Koch oder als Kellner – weltweit werden Roboter schon in einigen Gastro-Betrieben eingesetzt. Beispielsweise bereiten beim amerikanischen Lieferdienst „Zume Pizza“ drei Roboter die Pizzen für den Belag vor und schieben sie in den Ofen. In einer Shopping Mall in Shanghai kochen die beiden Roboter Kona und Koya vier verschiedene Ramen-Gerichte. Und Roboter-Barista Sawyer übernimmt im vollautomatisierten Henna Café in Tokio das Brühen und Servieren des Kaffees.

Roboter haben ihre eigene Faszination. Während es vielen Restaurantbetreibern beim Einsatz von Robotern um Kosteneffizienz geht – ein Roboter wird in der Regel nicht krank und kann automatisierte, sich wiederholende Vorgänge schneller und exakter durchführen als ein Mensch – überwiegt bei den Gästen das Erlebnis. Von einem Roboter bedient zu werden oder ihm bei der Zubereitung von Essen zusehen zu können, ist heutzutage noch eine eher seltene Erfahrung. Ob das Essen dann wirklich gut schmeckt, ist dabei zweitrangig. Doch wird sich dieser Trend der Vollautomatisierung wirklich auf den privaten Bereich ausweiten?

Keine Frage – auch in privaten Wohnküchen gibt es viele Einsatzmöglichkeiten für Roboter. Nicht zuletzt spielen technische Geräte (und nichts anderes sind Roboter) in der Küche von jeher eine große Rolle. Anfangs vornehmlich in Form von Herd, Ofen und Kühlschrank eingesetzt, die in erster Linie der Zubereitung und Haltbarkeit von Nahrungsmitteln dienen, besitzen Geräte à la Kitchenaid, Thermomix und Herd mit Kochassistent heute immer mehr Fähigkeiten, die die Essenszubereitung für Verbraucher einfacher, effizienter und sicherer machen. Doch einen kompletten Prozess zu übernehmen, also ein Gericht auszuwählen, die Zutaten einzukaufen, sie zuzubereiten und sogar abzuschmecken, ist Küchengeräten bisher nicht möglich. Im Zuge der vernetzten Küche dürfte sich dies jedoch schon in naher Zukunft ändern.

Roboter auf der imm cologne 2018 Foto: Radio Köln

Schon in der amerikanischen Comic-Serie „Die Jetsons“ aus den eher piefigen 1960er-Jahren gewann der weibliche Haushaltsroboter Rosie die Herzen der Fans mit menschlich anmutendem Design, Schürze und einem Pflichtgefühl, das über jede Programmierung weit hinausging. Heute scheint diese Zukunft gar nicht mehr so utopisch. Doch während die gegenwärtig entwickelten Assistenz-Roboter in dem Bemühen um ein menschenähnliches Gegenüber immer noch knuffig gestaltet und mit einer Art Gesicht ausgestattet werden, dürften sich die im Großküchenbereich eingesetzten Roboter ganz anderer Formen bedienen.

So wurde vor drei Jahren von Moley der Prototyp einer vollautomatischen Roboter-Küche präsentiert, in der ein Roboter-Koch, bestehend aus zwei von Shadow Robot entwickelten Roboterhänden, tatsächlich die Arbeit am Herd übernahm. Per Smartphone und über eine eigene App musste der Nutzer ihm nur mitteilen, welches Gericht er kochen sollte. Eigenständig suchte der Roboter daraufhin die Zutaten heraus und machte sich ans Schneiden, Kochen, Braten oder Backen.

Die Roboterhände konnten sogar etwas in den Topf schütten und umrühren, Gefäße verschieben, etwas in den Ofen schieben und anderes mehr. Eben viele Küchenaufgaben, zu denen man bis dato nur menschliche Arme und Hände für fähig hielt.

Es bleibt abzuwarten, wie lange die Weiterentwicklung solcher Prototypen von Roboter-Küchen bis zur Produktreife dauert. Gleichwohl dürften Assistenzsysteme in unterschiedlicher Form schon jetzt vermehrt Einzug in unsere Küchen erhalten. Dabei können sie den Alltag ihrer Nutzer ungemein erleichtern und in Verbindung mit der sich immer weiter entwickelnden smarten und vernetzten Küche helfen, sich zeitsparend und gesund zu ernähren.

Foto: Rollercoasterrestaurant Vienna

Vielleicht steigt ihre Akzeptanz ja tatsächlich in dem Maße, in dem sie menschliche Attribute wie Augen, eine angenehme Stimme oder Formen wie Arme erhalten. In welche Richtung die Technologie in der Küche geht – in Richtung Smart Kitchen, Automatisierung, Robotersysteme oder doch ganz altmodische Bedienkonzepte mit oder ohne technische Unterstützung – darüber dürfte auf der kommenden LivingKitchen in Köln im Januar 2019 einiges an Inspirationen zu finden sein. Schließlich wird hier nicht nur bei Küchen- und Geräteherstellern zu sehen sein, was die nächste Saison Neues bringt, sondern darüber hinausweisend auch auf den neuen Event-Plattformen FutureDesign, FutureTechnology und FutureLifestyles.

Die meisten Nutzer werden sich das Kochen von den Robotern jedenfalls nicht ganz aus den Händen nehmen lassen, so viel scheint sicher. Schließlich ist das Kochen für viele Menschen ein Hobby, das Spaß macht und ihnen hilft zu entspannen. Und in Gemeinschaft mit anderen gerät das Kochen zu einem Erlebnis, auf das die Menschen in Zukunft laut Trendstudien sogar vermehrt Wert legen. Am Ende des Tages werden die Nutzer die Wahl haben, ob sie das Menu à le Robot wählen oder sich des Roboters einfach als Kochassistenten bedienen, der dann gerne das lästige Zwiebelschneiden übernehmen kann.

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